coming soon: Literaturhaus Vorarlberg

© Gerhard Klocker

Die Villa Iwan und Franziska Rosenthal in Hohenems soll in ein bis zwei Jahren zum Literaturhaus erwachen – diese Aufgabe liegt in den Händen von Frauke Kühn, die ich als Obfrau des Vereins literatur:vorarlberg netzwerk dabei begleiten und unterstützen darf.

Lesung mit Teezeremonie

Literaturfestival Kleinwalsertal©Frauke Kühn

Die Nacht des Kaisers

Schon bei unserer ersten Begegnung war ich seine eifrigste Schülerin geworden. Als er mir lächelnd eine Tasse Tee reichte und mich bat, einen Schluck zu kosten, hatte ich den letzten Atmenzug mit dem Selbstverständnis einer europäischen Frau getan. Während der Tee meinen Mund und Hals wärmte, verwandelte ich mich in ein Wesen aus einer mir unbekannten Vergangenheit. Es war ganz offensichtlich zeitlebens in mir gewesen, und ich begriff in dieser Sekunde, dass nichts je vergeht. Dass alles, was ich erlebt und getan hatte, in mir eingraviert war, dass alle Erfahrungen und jede Gefühlsregung jederzeit in mir geborgen waren. Das Wesen aus alter Zeit war vom sanften Duft des Tees aufgewacht und tat seinen ersten Atemzug in mir. Nichts war mehr wie zuvor. Ich sah mich erstaunt im Zimmer um, sah den Meister lächelnd eine der Tassen reinigen, alles sah aus wie eben noch und war doch vollkommen verändert. Mein Blick war ein anderer geworden. Er tauchte das Zimmer in ein ebenso sanftes Licht wie der Duft des Tees. Gleichzeitig brannte eine neue Entschlossenheit in mir. Ich wollte von ihm lernen. Ich war von dem Wunsch erfüllt, zu wissen, welche Magie in dieser Tasse Tee seine seltsame Wirkung in mir entfaltet hatte. Der chadō, der Weg des Tees, war der nächste und folgerichtige Schritt, nichts anderes konnte jetzt noch passieren. Jedes weitere Erwachen in dieser Intensität wäre unnütz, würde ich einem solchen Ruf nicht folgen. In der Sekunde, als ich den Tee gekostet hatte, war ich bereit, ihm meine Zeit zu widmen und dafür alles aufzugeben, was ich bisher für mein Leben gehalten hatte.

Zu meinem großen Glück hatte der Meister nichts dagegen, er willigte ein, mich in seiner Kunst zu unterrichten. So kam es, dass ich mich in Tokyo für einen längeren Zeitraum einrichtete, mich ernsthaft um die Sprache bemühte und zwei Mal in der Woche einen Nachmittag in seinem Haus verbrachte. Bei der Teezubereitung war ich so ungeschickt, dass ich seine Geduld oft strapazierte, denn leider war mein europäisches Wesen bald wieder in den Vordergrund getreten und hatte die Sanftheit meiner älteren Lebensform weitgehend verdrängt. Es dauerte lange, bis ich in der Lage war, die rechte Menge Tee anzurühren, den winzigen Bambusbesen zu handhaben und die eleganten Bewegungen auszuführen, die es dem Geist des Tees ermöglichten, sich in dem heiligen Gefäß der Teetasse aufzuhalten.

Ich war leider zu gut darin, ihn gleich zu Beginn zu vertreiben und dem Meister eine inhaltlose Tasse mit gefärbtem Wasser anzubieten. Er bewies Geduld mit mir.

Ein Jahr später hatte ich gelernt, dass ich nichts wußte und wohl nie etwas wissen würde. Ich hatte immerhin auch verlernt, etwas zu wollen. Er war zufrieden mit mir, und weil ich auch gelernt hatte zu schweigen, durfte ich ihn zu einem besonderen Anlaß begleiten.

Der Meister war an den Kaiserhof geladen worden, um bei einem internationalen Bankett einen Teil der Teezeremonie für die Gäste abzuhalten. Er würde seinen wundervollen Tee zubereiten, in Anwesenheit des Tennō.

Ich wusste, dass mein Meister in Japan ein hohes Ansehen genoss, und fühlte mich geehrt, dass er daran dachte mich zu dieser Einladung mitzunehmen. Mir wurde aufgetragen, möglichst nicht zu sprechen und nur höflich zu lächeln, wenn ich angesprochen wurde. Ich nahm mir vor, die westlich geprägte meiner beiden Seiten zu Hause zu lassen und mich so asiatisch wie möglich zu benehmen. Aber es kam anders.

Das Bankett war für eine amerikanische Delegation von Investoren ausgerichtet, ein unruhiger Kreis verwöhnter Menschen mit viel Geld. Alle redeten durcheinander, kommentierten alles und lachten an unpassenden Stellen und viel zu laut. Alle außer der anwesenden japanischen Gesellschaft rund um den Tennō, der sich zwar sehr souverän und weltoffen bewegte, aber auf Schritt und Tritt von seiner Entourage begleitet wurde. Diese verbreitete eine gewisse Anspannung, wenn sich jemand allzu locker ins Gespräch mit seiner kaiserlichen Hoheit vertiefte. Ich hatte in den letzten zwölf Monaten keine zehn Ausländer angetroffen und war ziemlich verwirrt, plötzlich die so ganz andere Körperhaltung der Männer und Frauen zu sehen, die umgehend auf meinen Körper überging, als hätte ich nichts gelernt. Es dauerte lange bis mir wieder einfiel, dass ich zu der japanischen Gesellschaft gehörte und nicht zu den Amerikanern. Viel zu selbstverständlich hatte ich mich am Buffet bedient, mich mit einem jungen Mann unterhalten und dabei einige Scherze über japanische Gebräuche gemacht. Hatte mich lachend und gut gelaunt in Gespräche ziehen lassen und dabei meinem Gegenüber geradewegs in die Augen gesehen.

Ich erinnerte mich in dem Moment, als der Kaiser selbst neben mir ans Buffet trat. Er lächelte freundlich und fragte: „Und woher kommen Sie?“ Ich fand nicht sofort wieder in meine mir zugewiesene Rolle als stille Beobachterin und bemerkte erschrocken, dass ich im scherzhaften Ton von soeben weitersprach. Gleichzeitig dachte ich daran, dass die Situation in den Augen meines Teemeisters allmählich zu einem Affront werden musste. Ich erwähnte launig, einfach weil ich den passenden Ton in der Eile nicht traf, den Namen des Bregenzerwälder Dorfes, in dem ich einen Teil meiner Jugend verbracht hatte, schlug aber in der Mitte des Satzes beschämt die Augen nieder und verbeugte mich tief. „Verzeihung,“ murmelte ich leise.

Ich hatte ihn zum Lachen bringen wollen, was dumm von mir war.

Er aber reagierte höchst überraschend. Zunächst entfuhr ihm ein kleiner Aufschrei, den er schnell unterdrückte. Ich hatte mich aufgerichtet, weil ich nicht wusste, was jetzt zu tun wäre. Seine Augen leuchteten, er lächelte beseelt, er schwieg. Ich wagte nicht, mich zu entfernen und blieb etwas ratlos stehen, nicht vertraut mit der Etikette. „Ganz im Westen Österreichs,“ fügte ich hinzu. Hilfesuchend blickte ich mich nach meinem Meister um. Er war nicht zu sehen. Ich versuchte selbst mit der Situation zurechtzukommen, verbeugte mich einfach wieder, diesmal noch tiefer und wartete ab. „Das ist in der Tat erfreulich,“ erwiederte der Kaiser von Japan und deutete eine winzige Verbeugung an.

Zwei Minister nahmen den Tennō in die Mitte und geleiteten ihn zu einem Mann in traditioneller Kleidung und einer Koto, einem Saiteninstrument, in der Hand. Dieser trug sein langes Haar zu einem Zopf geflochten, oben, am Ende seines Scheitels. Seine Verbeugung war formvollendet.

Ich starrte ihnen nach und atmete erleichtert auf, als ich meinen Meister neben dem Musiker sah. Beide Männer richteten sich wieder auf und die kleine Gesellschaft nahm in der traditionellen Sitzhocke Platz an einem historischen Teetischchen. Mein Meister hatte alles vorbereitet, würdevoll und wie beiläufig sahen seine Bewegungen aus. Er nahm jeden Gegenstand in die Hand und wurde ganz zum Diener der Teezubereitung. Ich hielt mich im Hintergrund und beobachtete mit großer Freude das seltene Schauspiel, dem japanischen Kaiser beim Teetrinken zusehen zu dürfen. Der Musiker begann zu spielen, während die zweite Tasse gereicht wurde. Ich verstand noch immer nicht die überraschende Reaktion des Tennō auf die Erwähnung meines Heimatdorfes, und nahm an, dass sich dieses Rätsel wohl nie auflösen würde, als mir kurze Zeit später ein Bediensteter des Hauses ein kunstvoll gefaltetes Kuvert zusteckte. Es war mit einem Siegel verschlossen, er machte deutlich, dass es mir erst später zu öffnen erlaubt war.

Als ich erschöpft von all der Förmlichkeit in meinem kleinen Zimmer saß, staunte ich über den Inhalt des Briefleins. Es enthielt eine Einladung an den Hof. Ich hatte die üblichen kleinen Aufmerksamkeiten erwartet, eine Karte mit Autogramm des Tennō oder ähnliches. Aber es war eine persönliche Einladung vom Kaiser selbst. Er bat mich, ihm von meiner Heimat zu erzählen.

Da saß ich in meinem 30 m2 großen Appartment und fragte mich, was ich einem Mann zu erzählen hätte, der an der Spitze des Landes stand. Dessen Vater, der vor dem zweiten Weltkrieg den Thron bestieg, noch als gottgleich galt. Ich dachte an dieses seltsame Ritual, das einmal jemand angedeutet hatte und über das ich so gerne mehr erfahren hätte – ein Ritual, das einen Menschen in einer einzigen Nacht in einen Gott verwandelte. Er war der 125. Tennō von Japan, und seine Vorfahren wurden allesamt von der Göttin Amaterasu persönlich zu Göttern gemacht. Was genau in dieser Nacht mit der Sonnengöttin vor sich ging, interessierte mich brennend. Mein Meister hatte gar nicht reagiert, als ich es wagte, mein Interesse an diesem Ritual zu bekunden. Ich wusste, dass Kaiser Hirohito, der Vater des Mannes, der mich gerade eingeladen hatte, nach der Kapitulation Japans 1945 den Götterstatus verlor.

Ich glaube, Göttinnen sind da empfindlich.

Japan musste die Verfassung ändern, seither beschränken sich die Aufgaben des Kaisers auf zeremonielle Handlungen, und auf ein Leben als Staatssymbol Japans. Ob Akihito zu seiner Thronbestigung ein geheimes Ritual absolvierte, hatte ich bisher nicht in Erfahrung gebracht. Vielleicht ergäbe sich während der Audienz bei seiner Majestät die Möglichkeit, ihn danach zu fragen.

Ich ahnte die vielen kleinen Pannen und Mißgeschicke, die mein Lehrer großzügig übersah, weil ich keine Japanerin war und es nicht besser wusste. Ich würde mich mit großer Wahrscheinlichkeit daneben benehmen. Aber offensichtlich war der Kaiser interessiert an einem Dorf im hinteren Bregenzerwald. Ich konnte seine Einladung unmöglich abweisen. Ich sagte mit einer höflichen E-Mail zu, nahm an besagtem Tag den Bus, und stand überpünktlich vor dem Tor. Und wartete. Ich wartete lange. Als ich schon an ein Mißverständnis zu glauben begann und mir überlegte, wie lange ich noch bleiben sollte, versuchte ich mich in der Disziplin zu üben, die der Teeweg mit sich brachte. Ich wollte mich der Situation hingeben und meinen eigenen Willen überwinden, so wie es einer Schülerin auf dem Teeweg gebührte, und wenn ich einen ganzen Winter vor dieser Tür zu warten hätte. Es war kalt.

Vielleicht war mein Meister zu geduldig mit mir gewesen und ich hatte eine andere Lektion zu lernen, die mir der Geist des Tees durch eine weit höhere Gestalt bescherte. Eine, der ich nicht einfach eine Frage stellen und, wie bei meinem netten Meister, mit einer vernünftigen Antwort rechnen konnte. Er liess mich warten. Es musste sich um ein Versäumnis handeln, vielleicht war er verreist und niemand hatte daran gedacht, mir dies mitzuteilen. Vielleicht hatte er überhaupt niemanden von der Einladung erzählt. Ich befand mich in einer Kaskade von Zweifeln, Selbstvorwürfen und Ungeduldsanfällen, als wäre ich eine Anfängerin. Zum wiederholten Male hatte ich das Brieflein aus der Tasche gezogen und jeden Buchstaben entziffert, es war in perfektem Englisch geschrieben, von Hand. Da stand es, ich war an der richtigen Stelle und zur richtigen Uhrzeit. Das Datum stimmte, auch das Jahr hatte ich mehrmals überprüft. Es gelang mir nicht, meditierend zu warten, die beiden Zustände waren wie Wasser und Öl. Das Warten stieg immer wieder an die Oberfläche und überlagerte die Stille der Meditation. Ich fragte mich, was mein Meister in solch einer Situation tun würde, doch ihm hatte ich überhaupt verschwiegen, dass ich diese überraschende und überaus verwirrende Verabredung hatte. Was hätte ich ihm sagen sollen? Dass mir der Name eines kleinen östrreichischen Dorfes die Türe zum Kaiserpalast geöffnet hatte? Er würde mir kaum glauben… ich fürchtete mich davor, dass er diese Einladung genausowenig verstehen würde wie ich, und dass er sich seine eigenen Gedanken dazu machte, die er mir aber nie mitteilen würde. Daher hatte ich beschlossen, ihm vorerst nichts zu sagen und ihm später von meinem Besuch zu berichten. Gerade als ich ernsthaft in Erwägung zog, wieder nach Hause zu gehen, öffnete sich die Türe und eine junge Bedienstete bat mich in die Eingangshalle.

Ich wurde in ein kleines, gemütliches Zimmer geführt, wo man mir Mantel und Schuhe abnahm und mich bat, auf einem Sitzkissen Platz zu nehmen.

Der Tennō trat ein, begrüßte mich herzlich, schüttelte mir die Hand und machte dabei eine förmliche, angedeutete Verbeugung. Ich machte alles falsch, zunächst wollte ich aufspringen, dann bleib ich in der Hocke und verbeugte mich tief, reichte ihm aber gleichzeitig die Hand, die er dann eben ergriff und blieb unschlüssig auf halber Höhe. Ich wartete auf ein Zeichen von ihm. Er lachte und führte mich zu einem Tisch mit Stühlen.

Er erzählte mir von einer glücklichen Zeit in seiner Jugend, die er auf einer Reise durch Europa verbrachte. Sein Land war damals unter amerikanischer Besatzung, man hatte ihn als Thronfolger und seine Geschwister mit ihrer englischen Lehrerin und Kinderfrau außer Landes gebracht. Er war noch sehr jung gewesen, und sie waren auf dem Weg nach Paris, daran erinnerte er sich genau. Aber durch bestimmte Umstände ergab sich ein ungeplanter Aufenthalt in einer ländlichen Gegend, wo die kleine Reisegesellschaft in einem Bauernhof absteigen musste. Diese Tage hatten sich in seiner Erinnerung tief eingeprägt. An den Namen des Dorfes erinnerte er sich nicht mehr. Niemand in seiner Umgebung konnte ihm Auskunft geben, da seine Eltern und auch Miss Gray Vining längst verstorben waren.

Als ich am Buffet stand, hielt er mich für eine der Amerikanerinnen, und zu seinem eigenen Erstaunen richtete er die Frage nach meiner Herkunft an mich. Er gestand mir, dass er gar nicht an einer Antwort interessiert gewesen war, was er auf sehr charmante Weise vorbrachte. Allerdings durchfuhr ihn wie ein Blitz die Erkenntnis, dass ich soeben den Namen des Dorfes genannt hatte, an das er sich vergeblich zu erinnern versuchte.

Er war immer der Meinung gewesen, es läge in Deutschland und er berichtete mir, dass er sich die Mühe gemacht hatte, viele Stunden auf Google Earth zu surfen, um die Namen der kleinsten Dörfer im Süden Deutschlands zu lesen. Ohne Erfolg.

Das Dorf lag gut versteckt im Hinteren Bregenzerwald.

Es war damals vereinbart worden, dass die Kinder inkognito reisen würden, möglichst unauffällig. Sie stiegen zunächst in einer kleinen Pension ab, und weil die Pension wegen eines Umbaus unerträglich laut war, landeten sie auf einem Bauernhof mit Kühen, Hühnern und einem fluchenden Stallknecht. Der Tennō bat mich das Wort „Harrgotzack“, das er dort so oft gehört hatte, auf englisch zu übersetzen. Ich versuchte es mit „Himmel, Herrgott und Sakrament“, erklärte ihm, wie es gemeint war, und als ich sein unbewegtes Gesicht sah, fügte ich irgendwo zwischen „Lord“ und „in Heavens Sacrament“ noch ein fucking hinzu, entschuldigte mich aber gleichzeitig mehrmals. Er lachte. In dem Dorf galt keine Etikette, niemand wies ihn zurecht, wenn er auf dem Heuboden herum hüpfte oder mit dem Hund der Bäuerin über die Felder rannte. Es war seine glücklichste Zeit, wie er mir versicherte, und obwohl Krieg herrschte, führten er und seine Geschwister in dem kleinen Bergbauerndorf eine Art normales Leben, so unbeschwert wie selten vorher und nie mehr danach.

Jetzt saß er mir gegenüber und stellte mir zahlreiche Fragen.

Aus diesem ersten Besuch ergaben sich weitere, denn er hatte eine Reise im Sinn, und er bat mich um Unterstützung. Ich versicherte ihm, dass im Bregenzerwald nach wie vor keine Hochäuser und keine Autobahn gebaut wurden. Dass es immer noch Kühe und Hühner gab und die Wiesen dufteten. Ich zeigte ihm passende Hotels in der Umgebung, empfahl ihm bestimmte Ausflüge und achtete darauf, dass keine der Wanderungen über seine Kräfte gehen würde. Wir saßen vor dem Computer und betrachteten Bilder aus Bezau, Andelsbuch und Schwarzenberg und hörten dabei Konzertmitschnitte der Schubertiade. Er erzählte mir, dass er sein Leben lang Cello gespielt hatte.

Ich durfte ihm den Tee zubereiten, und weil er ein geübter Teetrinker war, machte er mich oft freundlich auf die kleinsten Fehler aufmerksam.

Irgendwann bemerkte mein Teemeister, dass ich immer sicherer wurde in den Handhabungen des Tees, des Besens und der Tasse. Ich wusste plötzlich Details, die zur alten Schule gehörten, kleine Gesten, die mir mein Meister gar nicht gezeigt hatte. Er begann mich mit anderen Augen zu beobachten, sagte aber kein Wort. Ich hatte bisher meine Besuche am Kaiserhof nicht erwähnt. Er wartete geduldig, bis ich mit der längst fälligen Erklärung herausrücken würde, aber sein Blick hatte eine andere Färbung angenommen.

Der Kaiser hatte Verpflichtungen und seine Gesundheit war angeschlagen, weshalb  er sich manchmal entschuldigen ließ und mich wieder nach Hause schickte. Als wir wieder einmal beim Tee saßen, nahm ich daher meinen Mut zusammen, und fragte den Tennō nach dem Ritual der Sonnengöttin Amatersu. Ich fragte ihn, ob es sehr ungehörig wäre, ihm die Frage zu stellen, ganz europäisch. Für einen Japaner galt die Frage aber bereits als ausgesprochen. Er sah mich erstaunt an. Dann dachte er nach. Ich bereute es bereits, mich als so neugierig gezeigt zu haben, als er zu sprechen anfing. Er sagte:

„Ich bitte Sie, diesen Dingen nicht allzu viel Bedeutung zu schenken. Es ist ein Vorgang, der auf alte Traditionen zurückgreift, weil diese uns wertvoll und teuer sind. Beim Tod des alten Kaisers wird Reis angepflanzt, der ein halbes Jahr später reif ist. In dieser Trauerzeit ruhen die Staatsgeschäfte. Zwei kleine, reich verzierte Häuser aus Holz werden errichtet. Nachdem der Reis geerntet und zu einem Mahl mit vielen Gängen zubereitet wurde, betritt der Prinz das erste Holzhaus. Dort teilt er das Mahl in drei Portionen, bietet eine dem Gott des Tao an, die zweite Portion ist für das Volk reserviert. Die dritte isst er selbst.

Danach betritt er das zweite Haus. Auf einem Bett liegt das Schwert, das ihn zu einem Mann machen soll. Für diese Nacht wird er zur Frau, die sich mit dem Schwert vereinigt.“

Ich wagte nicht zu fragen, wie ich mir das vorstellen sollte. Meinen erstaunten Blick erwiderte er mit der Erklärung, das Schwert wäre ein Symbol für Männlichkeit. Ich nickte verständnisvoll. Ich war erleichtert, als er fortfuhr, er erzählte mir, dass die Frau in ihm in dieser Nacht den Kaiser zur Welt brachte. Den Kaiser, der schon immer in ihm gewesen war. Um ihn zu gebären müsste er sich mit Hilfe der Göttin in eine Frau verwandeln. Er fuhr fort: „Am nächsten Morgen verlässt der Sohn der Sonne dieses Haus neugeboren als gottähnliches Wesen. Seine Füße setzt er fortan auf einen Teppich, der unmittelbar hinter ihm wieder aufgerollt wird. Ein Sonnengott hinterlässt keine Spuren auf der Erde. Die beiden wunderschönen, aus Holz errichteten Häuser werden nach dieser einen Nacht vollkommen zerstört und verschwinden.“

Es war an mir zu schweigen. Ich verbeugte mich tief und war voller Dankbarkeit. Es war unsere letzte Begegnung. Ich wußte, dass ich eine Grenze überschritten hatte, aber ich wußte auch, dass er mir bewußt einen Blick geschenkt hatte in eine verloren gegangene Welt. Hätte er es nicht gewollt, wäre es leicht für ihn gewesen, lächelnd über meine Frage hinwegzugehen. Der Kurier, der mir regelmäßig die Einladungen des Tennō überbracht hatte, kam nicht wieder.

Ich weihte meinen Meister ein, der mir erstaunt zugehört hatte und dann seinen Kopf seitlich wiegte, als wäre ein nicht unbeträchtliches Gewicht darin zur Seite gerutscht. Dann tröstete er mich auf seine Art, schweigend. Er servierte mir einen der wertvollen Tees, den er aus einem verschließbaren Holzschrank nahm.

Er bat mich, meinen Geist leerzumachen, bevor ich den ersten Schluck nähme. Der Tee tat seine Wirkung sofort. Er fegte alle Zweifel weg. Ich hatte nichts falsch gemacht, weil nicht ich es war, die die Ereignisse lenken konnte. Es gehörte zu den Stationen des chadō, die Idee fallen zu lassen, etwas falsch oder richtig machen zu können, außer vielleicht eine Teetasse richtig zu halten. Die Göttin Amaterasu amüsierte sich vermutlich über meine Ahnungslosigkeit.

Ich fragte ihn, ob es allgemein bekannt war, durch welches Ritual der Kaiser zu einem Gott wurde. Er lächelte auf die typisch japanische Art, wenn eine Frage unangemessen war und sagte, das alles gehöre in längst vergangene Zeiten. So wie das Ritual, das er mir beizubringen versuche, nämlich einen ordentlichen Tee zuzubereiten. Er war wie immer nachsichtig mit mir, und als einige Wochen später meine Abreise bevorstand, fragte er mich, ob er mich begleiten dürfte. Er plane eine Recherche-Reise im Auftrag des Tennō, und wenn ich so freundlich wäre, ihn dabei zu unterstützen, würden er und seine Majestät bald gemeinsam mit mir in den Kulissen einer glücklichen Kindheitserinnerung spazieren gehen. Es wäre schon wieder an mir gewesen, zu schweigen. Ein überraschter Schrei entfuhr mir aber dennoch, bevor ich mich tief verbeugte.

Es kam anders. Ich hatte mein Flugticket gebucht, lange bevor ich an der Teezeremonie im Kaiserpalast teilgenommen hatte. Mein Visum neigte sich dem Ende zu, die Abreise ließ sich nicht mehr nach hinten verschieben. Deshalb reiste ich alleine zurück in meine Heimat und wir vereinbarten einen ungefähren Zeitraum, an dem ich meinen Teemeister am Flughafen in Zürich abholen sollte, um ihn in die Geheimnisse des Bregenzerwaldes einzuführen. Ich hatte mir längst eine kleine Rundreise für ihn ausgedacht, die Orte und Gasthäuser bestimmt, die er kennen lernen sollte und ich hatte auch versucht, den Bauernhof ausfindig zu machen, der damals für den Kaiser ein Ort der glücklichen Kindheitserinnerung geworden war. Es war vergeblich. Ich wusste keinen Namen und keine Ortsbeschreibung, aber ich hoffte auf seine eigene Orientierung, sobald wir etwas Zeit und Ruhe hätten. Unser gemeinsamer Plan war es gewesen, den Kaiser, so wie damals schon, inkognito reisen zu lassen und ohne viel Aufsehen dafür zu sorgen, dass er sich möglichst frei bewegen konnte. Seine Frau sollte ihn begleiten, und nur ein, zwei Berater, die ihm unabkömmlich schienen, so lautete die Nachricht, die ich von meinem Teemeister erhalten hatte. Er würde zunächst alleine kommen und mit mir die Gegend besichtigen, die der Kaiser zu sehen wünschte. Danach könnte man ein Reisedatum festlegen für das kaiserliche Paar.

Kurz nach dieser letzten Nachricht fegte der Tsunami über Japans Küste, die Insel und die ganze Welt wurden erschüttert. In den Ruinen von Fukushima versanken nicht nur aberwitzige Tonnen von radioaktivem Müll, sondern auch die geheimen Reisepläne der kleinen, illustren Runde. Ich bat meinen Meister inständig, Japan zu verlassen, ich wollte ihm Zuflucht bieten und dem chadō einen sicheren Ort schaffen, bis in Japan wieder Normalität eingekehrt wäre. Er lehnte ab, und gleichzeitig verstummte er. Seine Nachrichten wurden einsilbig und trafen nur mehr spärlich ein. Ich kannte ihn gut genug, um zu wissen, wie verzweifelt er sein musste. Japan war nicht mehr das Land, das er kannte. Weder übernahmen die Verantwortlichen der Reaktorkatastrophe eine kompetente Führung bei der Bewältigung des herrschenden Chaos, noch wurde ausreichend Hilfe aus dem Ausland angeboten. Spenden und Unterstützung für die Überlebenden kamen an, aber die Fachleute, die in der Lage gewesen wären, das blutende Herz des Reaktors zu löschen, blieben entweder aus oder wurden hinter verschlossenen Türen abgewiesen. Gesichtsverlust und Scheinkompetenz gingen vor. Mitten in Tokyo wurden Werte gemessen, die an die radioaktive Belastung im Zentrum von Tschernobyl  heranreichten. In den japanischen Zeitungen stand nichts davon. Die Menschen demonstrierten für den Ausstieg aus dem Atomstrom. Demonstrationen auf Japans Straßen waren ein deutlich sichtbarer Bruch innerhalb der Bevölkerung. Diese Zeit war für Japan wie ein Sprung in der Teeschale, der die Tasse entweder zerstören konnte oder sie veredeln würde. Das alles schrieb mir mein Teemeister in der letzten ausführlichen E-Mail, die ich von ihm erhielt. Er kündigte mir gleichzeitig an, dass er eine Reise plane und ich einige Zeit nichts von ihm hören würde.

Die Medien schwiegen. Keiner schien das Ausmaß dessen zu begreifen, was der Tsunami neben einem ganzen Landstrich noch alles mit sich fortgerissen hatte. Die japanische Gesellschaft war bis ins Innerste getroffen und niemand wollte darüber sprechen. Es war zu früh dafür. Auch der Kaiser schwieg lange, und als er sich öffentlich zeigte, um seine Anteilnahme zu bekunden, wirkte er gesundheitlich angegriffen. Ich verfolgte jede noch so kleine Meldung in den Medien, die im Westen bald zu Randnotizen verkümmerten.

Am meisten erschütterte mich, als ich Wochen später ein Paket erhielt mit der Sammlung der wertvollsten Teesorten aus dem Haus meines Meisters. Darin lag ein Brief mit der Bitte, ich möge diese Schätze in der sauberen Luft der Bregenzerwälder Berge bewahren und möglichst täglich einen ordentlichen Tee damit zubereiten. Dies wären die letzten Kräuter, die auf unverstrahltem Boden gewachsen waren, und da das Grundwasser Japans in weiten Teilen kontaminiert sei, wolle er in seinem Land keinen Tee mehr zubereiten, schrieb mein Teemeister. Die wertvolle Schale, die über Generationen in seiner Familie vererbt worden war und niemand außer ihm je in den Händen gehalten hatte, lag ebenfalls in dem Paket. Ich brach in Tränen aus.

Ich antwortete bestürzt, dass ich nach Tokyo käme, dass ich ihm helfen wolle, egal was zu tun wäre. Er antwortete nicht mehr darauf und ich hörte für viele Monate nichts von ihm. Ein Teil meiner Identität war von der fernen Welle fortgerissen worden, während mein Körper unversehrt im sicheren Österreich am Computer saß und nächtelang versuchte, über unabhängige Nachrichten zu begreifen, was in meiner zweiten Heimat wirklich vor sich ging. Ich las den Bericht eines Fischers, der in Yokohama deformierte Fische im Netz hatte und dies auf den verstrahlten Ozean zurückführte. Die Firma war dazu übergangen, die Fische für den Suhsi-Markt an Bord zu filetieren und die frischen Filets direkt an die Restaurants zu verkaufen. Der Mann hatte seine Arbeit verloren, weil er auf einer Internet-Plattform darüber berichtet hatte. Die Firma hatte seine Behauptungen dementiert und die neue Form der Fischverarbeitung an Bord als Modernisierung dargestellt, die seit vielen Jahren vorbereitet worden war.

Zunächst verfiel ich in Trauer und Resignation. Ich wagte nicht, die Schale oder einen der Tees zu berühren und ließ das Paket gut verschlossen in meinem Schlafzimmer stehen. Es dauerte ein Jahr, bis ich es erneut öffnete und begann, den Erbstücken meines Meisters einen Platz in meiner Wohnung frei zu räumen.

Während ich alles für die Teezeremonie bereit legte, übernahmen meine Hände die gewohnten Bewegungen. Ohne nachzudenken fügte sich eines ins andere, als wäre nie eine Kluft entstanden zwischen der letzten Tasse Tee am Tisch meines Meisters in Tokyo und dieser ersten Tasse in meinem Wohnzimmer im Westen Österreichs. Der Duft des grünen Tees schien meinen Geist zu beleben, noch bevor ich einen Tropfen davon gekostet hatte. Es tat mir Leid um all die Zeit, in der ich in meiner eigenen Trauer versunken war. Mein Meister hatte mir das Wertvollste aus seinem Haus gesandt und ich war zu verblendet gewesen, um seinen Schätzen ihren angemessenen Platz zu gewähren. Sanft breitete sich der Geist des Tees in meinem Zimmer aus und erfüllte mich mit Zuversicht und Liebe. Ich war wieder da.

Ich sah ihn vor mir, klar und deutlich. Er streichelte liebevoll eine Katze, das Tier schnurrte. Es war ein mir unbekanntes Tier, keine der drei Katzen, die in Tokyo in seinem Haus gelebt hatten. Die Katze lag vor dem Hauseingang in einer ländlichen Gegend. Ich nahm an, er hätte sich in die Berge zurückgezogen, um dort sein beschauliches Leben zu führen, fern von den Menschen. Unsere Verbindung war wieder hergestellt, sein Bild war zwar rasch wieder verblasst, aber ich konnte spüren, dass es ihm gut ging, zumindest, dass er körperlich unversehrt war. Am selben Abend erreichte mich eine E-Mail von ihm, es war ein Spendenaufruf, der an viele Adressaten ging. Er bat um finanzielle Unterstützung für einen Tierschutzverein, ich musste die Mail mehrmals lesen, um ihren Inhalt zu begreifen. Der Verein finanzierte eine Handvoll engagierter Tierschützer, die täglich in die Sperrzone von Fukushima fuhren, um die zurückgelassenen Tiere zu füttern und sie medizinisch zu versorgen. Er war einer von ihnen – mein Teemeister war auf den Werbefotos zu sehen, gekleidet wie die anderen Pensionisten, die sich freiwillig in Gefahr begaben, um verwaiste Haustiere zu versorgen. Niemand dort wusste, wer er wirklich war. Er ließ sich sogar fotografieren, um Geld und Sachspenden aus aller Welt zu lukrieren, ohne seinen berühmten Namen ins Spiel zu bringen. Sie wohnten gemeinsam am Rand der Zone, um täglich den Weg durch das verwüstete Gebiet anzutreten, Tierfutter und Schmerzmittel im Gepäck, so stand es in der E-Mail. Hunde, Katzen, Ziegen, Hühner, Igel, sogar Pferde lebten nach wie vor in den Häusern und Ställen der menschenleeren Städte und Dörfer.

Ich überwies Geld auf die Kontonummer, die angegeben war. Kurz darauf erhielt ich eine persönliche Nachricht von ihm. Er hoffe, ich würde den Tee zubereiten und die Welt damit beschenken, schrieb er mir und bedankte sich für meine Spende. Im Anhang befand sich das Bild einer jungen Katzenfamilie. Auf meine vielen Fragen antwortete er nicht, schickte aber fortan regelmäßig Fotos von Tieren. Ich betrachtete die Bilder der verlassenen Häuser, die idyllische Ruhe der leergefegten Straßen, die Hunde, die sich um ihn scharten, die Katzen, die in der Sonne dösten, und ich versuchte zu begreifen. Der berühmteste Teemeister Japans fuhr täglich in ein hoch verstrahltes Gebiet und fütterte Katzen. Er hatte mir aus der Ferne, und sicher unbeabsichtigt, eine Lektion erteilt.

Ich begann, mein eigenes Land mit anderen Augen zu sehen. Nichts war mehr selbstverständlich, nicht die sauberen Straßen, nicht die täglich aufgehende Sonne, nicht die Schmerzen, die mich zu Boden gedrückt hatten. Ich vermisste meine Unbeschwertheit von früher und wusste gleichzeitig, dass der Weg des Tees unbequem zu sein hatte. Es war nicht getan mit dem Zubereiten und der richtigen Haltung beim Trinken einer Tasse Tee unter den blühenden Mandelbäumen Japans. So billig kommt niemand davon, der sich ernsthaft auf einen Weg begibt, das begriff ich in den Wochen, in denen ich die Menschen mied und meine Nächte lieber am Computer verbrachte. Ich hatte zu lernen, mein Herz zu öffnen, verbunden zu bleiben und meinen persönlichen Schmerz  und meine Einsamkeit zu überwinden. Ohne ein Wort der Belehrung hatte mein Meister mir den Weg gezeigt. Ich fühlte mich klein und unbedeutend, versuchte aber, mich endlich zusammen zu reißen.

Ich begann, einige wenige Freunde zum Tee einzuladen und ihnen mit aller Hingabe derer ich fähig war, einen ordentlichen Tee zu servieren. Die Welt hatte sich längst weitergedreht, meine im Netz recherchierten Informationen über die Lage in Fukushima waren keineswegs erfreulich. Niemand wollte davon hören. Ich schwieg und kochte Tee, und ich nahm während der Zeremonie die passende Haltung ein. Mein Körper erinnerte sich daran und richtete sich wieder auf. Auch im Alltag. Mein Geist hatte zurück gefunden, er war aus dem verseuchten Schlamm und den Trümmern wieder aufgetaucht. Ich begann zu träumen, oft reichte mein Meister mir eine duftende Schale. Kurz bevor ich daraus trinken konnte, wachte ich schweißgebadet auf. Am Ende bekam ich Fieber und danach wurden meine Gedanken allmählich wieder heller. In meinem letzten Traum von meinem Meister trank ich die Tasse leer, die er mir gereicht hatte.

Dann kam eines Tages ein Brief vom Kaiserhof. Der Kaiser selbst hatte ihn unterzeichnet, seine Handschrift wirkte etwas zittrig. Er entschuldigte sich förmlich für sein Versäumnis, mich über die Unmöglichkeit seiner Reise nach Österreich zu informieren und bedankte sich bei mir für meine angebotene Gastfreundschaft, die er gerne in Anspruch genommen hätte. Er wünschte mir ein langes, glückliches Leben. Unwillkürlich verbeugte ich mich vor dem Brief, und lächelte über den in mir noch immer lebendigen Reflex. Ich war überwältigt von der Tatsache, dass dieser freundliche Mann daran dachte, mir eine persönliche Nachricht zukommen zu lassen.

Kurz danach überschlugen sich die Ereignisse. Ich wusste kaum, wo mir der Kopf stand, als mein Teemeister mir in drei aufeinander folgenden E-Mails zuerst eine Bitte sandte, dann eine Ankündigung und dann ein Datum mit einer Flugnummer. Sein Engagement für den Tierschutzverein hatte ein jähes Ende gefunden, als der Kaiser selbst ihn kontaktiert hatte. Die Reise sollte jetzt in Angriff genommen werden. Der Tsunami war über Japan gerollt, der Tennō wie auch mein Meister hatten ihr Land unterstützt mit allem, was in ihrer Macht stand. Es gab einen unsichtbaren Riss in der inneren Verortung Japans und es gab diesen Riss auch in mir. Seither ist es heller geworden in meinem Leben.

Jetzt oder nie würden sie die Reise machen. Ich war bereit. Die Schale aus dem Erbe meines Meisters, die ich nicht ein einziges Mal verwendet hatte, sollte sich wieder mit Tee füllen.